Historische Forschung zum Weinbau im Lavaux
Im Auftrag der Fondation Bovard hat der Historiker Guillaume Favrod die Quellen analysiert, die für eine Untersuchung zur Geschichte des Weinbaus im gesamten Kanton Waadt und insbesondere im Lavaux von Nutzen sein könnten. Eine solche historische Übersicht fehlt bislang im Waadtland und in der Region. Guillaume Favrod konzentrierte sich auf die erste Etappe dieses dokumentarischen Vorhabens: eine Bestandsaufnahme der Archive, Studien, populärwissenschaftlichen Werke oder privaten Dokumente, die es langfristig ermöglichen werden, diese historische Studie über das Lavaux und den Kanton zu erstellen. Er legte der Fondation Bovard seine Schlussfolgerungen im Jahr 2024 vor.
Die notwendigen Ressourcen für eine Geschichte des Weinbaus im Lavaux
Im Gegensatz zu Regionen wie dem Burgund verfügt das Lavaux – und der gesamte Kanton Waadt – nicht über eine umfassende Darstellung der Entwicklung seines Weinbaus. Das heisst, es fehlt eine Untersuchung, die die vielfältigen Facetten einer tausendjährigen Geschichte erfasst: wirtschaftliche, demografische, territoriale, soziale, kulturelle, technische oder politische Aspekte. Dieser Mangel ist umso auffälliger, als der Weinbau im Lavaux und im Waadtland seit jeher ein Produktionszweig von höchster Bedeutung war. Über Jahrhunderte hinweg war der Handel mit Wein eine der wichtigsten Einnahmequellen für Behörden und Privatpersonen.
Aufgrund dieser Bedeutung sind die dokumentarischen Quellen vom Mittelalter bis heute reichlich vorhanden. Sie werden in öffentlichen und privaten Archiven in den Gemeinden des Lavaux, in Vevey, Lausanne, Bern oder Paris aufbewahrt. Dabei handelt es sich um Rechnungen, Bücher, Register, Reglemente, Verträge, Urkunden, Korrespondenz, Zeitungen, Memoiren, Karten, Studien, Forschungsarbeiten – kurz gesagt, um Quellen unterschiedlichster Art. Eine Zusammenfassung dieser Masse von mehr als 5000 Dokumenten fehlt jedoch noch. Sie ist jedoch unverzichtbar, um die sozioökonomischen, demografischen und kulturellen Zusammenhänge des Weinbaus im Lavaux zu erfassen. Zu diesen Dokumenten kommt der Reichtum privater Archive hinzu, der noch erschlossen werden muss.
Aus diesem Grund hat die Fondation Bovard den Historiker Guillaume Favrod, Doktorand der Geschichte an der Universität Lausanne und Spezialist für den Weinbau in der Region Vevey, damit beauftragt, den Grundstein für dieses Projekt zu legen. Das bedeutet, eine Bestandsaufnahme der Dokumente zu erstellen, die es ermöglichen, die Geschichte des Weinbaus im Lavaux umfassend zu schreiben. Ohne diese Voruntersuchung wird es nicht möglich sein, die Funktionsweise, die Entwicklung, das Know-how und die Lebensart des Weinbaus und der damit verbundenen Berufe in der Region zu verstehen. Eine historische Studie ist zudem ein hervorragendes Kommunikationsmittel.

Da sich sein Fachgebiet selbst weiterentwickelt hat, schlägt Guillaume Favrod vor, für die künftige Studie neue historiografische Methoden anzuwenden, die mit Sozialgeschichte, Netzwerkanalyse, evolutiver Kartografie oder Beiträgen der breiten Öffentlichkeit («Citizen Science» oder partizipative Forschung) verbunden sind. Das Ziel besteht darin, die Geschichte des Lavaux besser bekannt zu machen und die Geschichte der Weingüter sowie der Winzer und Winzerinnen, die diese Erzählung vom 11. bis zum 21. Jahrhundert geprägt haben, zu würdigen.
Guillaume Favrod stellt am Ende seines Berichts fest, dass „ In einer Zeit, in der der Weinbau mit zahlreichen Herausforderungen und Problemen konfrontiert ist, erscheint es angebracht, daran zu erinnern, dass sich die Rebfläche vor nicht allzu langer Zeit über eine Fläche erstreckte, die viermal so gross war wie heute, und dass nicht weniger als 20’000 Männer, Frauen und Kinder, also fast ein Zehntel der Waadtländer Bevölkerung, im Weinbau tätig waren“.
Das Mandat der Fondation Bovard beschränkte sich auf diese dokumentarische Bestandsaufnahme, die die Voraussetzung für eine umfassende Untersuchung in der Zukunft bildet. Die Analyse wurde der Stiftung im Jahr 2024 übergeben. Es ist nun Aufgabe einer Behörde, einer Institution oder einer Hochschule, deren erfolgreiche Umsetzung sicherzustellen.