Studie zur Reifung des Chasselas

Studie zur Reifung des Chasselas

Was sind die Gründe dafür, dass ein Chasselas-Wein im Laufe der Zeit positive aromatische und geschmackliche Eigenschaften entwickelt?

Das kann kaum jemand mit Sicherheit sagen. Es gibt nur wenige wissenschaftliche Studien zum Lagerpotenzial dieser Rebsorte. Deshalb haben Agroscope und die Hochschule für Weinbau und Önologie in Changins mit Unterstützung des Kantons Waadt und der Fondation Bovard ein experimentelles Forschungsprojekt zum gereiften Chasselas gestartet. Die Studie läuft zwar noch, doch ein Bericht aus dem Jahr 2024 hat bereits positive Einflüsse qualitativer und quantitativer Faktoren aufgezeigt.

Das große Lagerpotenzial der Chasselas-Weine

Der Chasselas hat den Ruf, ein Wein zu sein, den man jung, „fruchtbetont“, trinken sollte. Diese vorgefasste Meinung schadet seinem Ansehen, da große Weine im Allgemeinen als diejenigen gelten, die am besten altern. Auch wenn sich nicht alle Chasselas-Jahrgänge für die Lagerung eignen, ist das Alterungspotenzial dieser Rebsorte doch beträchtlich. Doch wie lassen sich diese Weine beschreiben? Was sind die Ursachen für ihre so positiven aromatischen und geschmacklichen Ausdrucksformen? Mit anderen Worten: Warum und wie entwickelt ein junger Chasselas-Wein mit der Zeit ein Bouquet positiver Alterungsnoten?

Das Problem ist, dass es nur wenige Studien zur Entwicklung von Chasselas-Weinen im Laufe der Zeit gibt.

Eine experimentelle Untersuchung

Aus diesem Grund haben das Kompetenzzentrum des Bundes Agroscope und die Hochschule für Weinbau und Önologie in Changins eine experimentelle Untersuchung gestartet, die noch andauert.

Mitglieder der Fondation Bovard haben ihr Wissen in das Projekt eingebracht und zur Festlegung seines Rahmens beigetragen. Wie andere Produzenten auch hat die Domaine Louis Bovard alte Jahrgänge zur Verfügung gestellt, um diese sowohl chemisch als auch sensorisch zu analysieren.

Die Verantwortlichen der Studie verschickten Fragebögen an Waadtländer Winzer und Weinkellereien sowie an Konsumenten. Insbesondere wurden mit rund vierzig Fachleuten Verkostungstests mit Jahrgängen aus den Jahren 2003, 2009 und 2012 durchgeführt. Ziel war es, zu überprüfen, ob es möglich ist, in einer Blindverkostung gute Beispiele für gereiften Chasselas zu identifizieren, die sich durch eine positive Veränderung ihrer sensorischen und geschmacklichen Eigenschaften auszeichnen. Zudem wurden Analysen durchgeführt, um festzustellen, ob die beobachteten sensorischen Besonderheiten mit der chemischen Zusammensetzung der Weine in Zusammenhang stehen könnten.

Vorläufige Ergebnisse

Bislang zeigt sich, dass die Merkmale eines guten Beispiels für einen gereiften Chasselas sein Alkoholgehalt, sein Aminosäuregehalt und sein Säuregehalt sind. In quantitativer Hinsicht weisen etwa zwanzig chemische Verbindungen je nach betrachtetem Jahrgang signifikante Unterschiede auf. Qualitative Faktoren wie die Verkorkung, die Stickstoffkorrektur des Mosts, der Jahrgang oder die Wasserreserve der Rebe scheinen mit den Eigenschaften der besten gereiften Weine zu korrelieren.

Langfristig werden diese quantitativen und qualitativen Daten als nützliche Informationen für die Aufwertung gereifter Chasselas-Weine dienen. Der Wert dieser Weine ist nach wie vor wenig bekannt oder gar unbekannt. Er bedarf einer besseren, fundierteren und objektiveren Vermarktung. Fortsetzung folgt!