Lavaux Nature Vivante

Lavaux Nature Vivante

Was der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt ist: Die Weinberge des Lavaux beherbergen eine große Artenvielfalt. Zahlreiche Pflanzenarten sind hier beheimatet, darunter einige sehr seltene, und auch die Tierwelt ist sehr vielfältig. Die Pflanzenvielfalt profitiert von der perfekten Lage, dem wohltuenden Einfluss des Sees und den geschützten Mikroklimata. Um mehr über diese natürlichen Werte zu erfahren und sie besser bekannt zu machen, hat die Fondation Bovard bei einem renommierten Büro für biologische Forschung eine unabhängige Studie in Auftrag gegeben. Die Studie, die in den Jahren 2021 und 2022 durchgeführt und 2025 abgeschlossen wurde, zeigt, dass die Biodiversität im Lavaux in den letzten Jahrzehnten nicht abgenommen hat. Sie muss jedoch geschützt werden, insbesondere durch konkrete Massnahmen zum Erhalt der Flora und Fauna.

Eine gründliche und unabhängige Studie

Das Weinbaugebiet Lavaux, das grösste zusammenhängende Weinbaugebiet der Schweiz, ist nicht nur die Heimat der Rebsorte Vitis vinifera. Auch andere Lebensgemeinschaften spielen eine zentrale Rolle für seinen Fortbestand. Als Stiefkind der Bestandsaufnahmen und wenig beachtet verdiente diese Biodiversität eine gründliche und unabhängige wissenschaftliche Untersuchung. Auf Initiative der Fondation Bovard wurde die Bestandsaufnahme in den Jahren 2021 und 2022 durchgeführt und 2025 vom biologischen Forschungsbüro BEB in Aigle unter der Leitung von Dr. Raymond Delarze ergänzt.

Die Ergebnisse sind ermutigend. Im Vergleich zu den wenigen früheren Erhebungen zeigt die neue Studie, dass die Biodiversität im Lavaux nicht zurückgeht. Die Weinberge beherbergen eine grosse Anzahl an Pflanzen- und Tierarten, von denen einige auf nationaler Ebene geschützt sind. Das Gebiet beherbergt 648 Arten von Blütenpflanzen und Farnen, 15 Brutvogelarten, 5 Reptilienarten und 25 Heuschrecken- und Grashüpferarten. Darunter befinden sich symbolträchtige Tiere wie die Smaragdeidechse und der Wendehals sowie Blumen wie die Gelbe Glockenblume und die Wilde Ringelblume. Viele dieser Arten sind thermophil: Sie benötigen Wärme zum Leben.

Die Flora und Fauna leben in Biotopen, die den Weinbergen ergänzend sind. Diese kleinen Rückzugsgebiete sind zerschnitten, beherbergen nur kleine Populationen und befinden sich vor allem am Rande der Weinberge. Pflanzen und Tiere nutzen Steinmauern, Sträucher, Brachflächen, Felsvorsprünge oder kleine Wasserläufe.

Erhaltungsmaßnahmen

Die Studie «Lavaux Nature Vivante» belässt es nicht bei dieser Feststellung. Sie schlägt Massnahmen zur Aufwertung und Erhaltung dieses biologischen Erbes vor. Da die Rückzugsgebiete voneinander isoliert sind, was die Bewegungsfreiheit der Arten einschränkt, empfiehlt sie die Schaffung von Verbindungswegen oder ökologischen Korridoren in Form von Hecken oder Buschgruppen. Weitere Beispiele sind die Einrichtung von Hibernaculum (Steinhaufen) für Reptilien und das Anbringen von Nistkästen für bestimmte Vogelarten.

Die Studie liefert somit Anhaltspunkte für eine bessere Berücksichtigung der Biodiversität im Lavaux, was eine Garantie für die nachhaltige Entwicklung der Aktivitäten im Weinbaugebiet darstellt. Sie zielt darauf ab, die Winzer für den biologischen Reichtum ihrer Weinberge zu sensibilisieren. Sie ermutigt sie, ihre Maßnahmen und ihr Engagement gegenüber der breiten Öffentlichkeit zu kommunizieren. Diese Bemühungen tragen dazu bei, das Image des Lavaux sowie die wichtige Rolle der Winzer beim Erhalt der biologischen Vielfalt der Region zu stärken.

Yvorne Grandeur Nature

Die Studie „Lavaux Nature Vivante“ orientiert sich an einer ähnlichen Untersuchung, die bereits 2019 vom Büro BEB unter der Leitung von Dr. Raymond Delarze im Auftrag des Vereins „Yvorne Grandeur Nature“ durchgeführt wurde.

Diese Bestandsaufnahme der natürlichen Werte des Yvorne-Hangs hat – wie auch im Lavaux – eine reiche und vielfältige, aber auch empfindliche Biodiversität aufgezeigt. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Changins hat der Verein einen fortlaufend aktualisierten Katalog mit Empfehlungen und bewährten Praktiken für Winzer erstellt, aus dem diese die für ihren Betrieb am besten geeigneten Massnahmen auswählen können. Yvorne Grandeur Nature will sich als erste Schweizer Appellation etablieren, die sich voll und ganz einem nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Entwicklungsmodell verschrieben hat.

 

Yvorne Grandeur Nature